Glockenturm St. Matthäuskirche Rissebild 2011 Instandsetzungsversuche 2011 Instandsetzungsversuche 2011 Instandsetzungsversuche 2011, Harzdübel Verklebungsversuch Mörtelschale Instandsetzung 2014, Raster Instandsetzung 2014, Schadensbild Baustand 140918 Baustand 140918 Baustand 140918

Instandsetzung Sichtbetonfassaden 2014, Glockenturm St. Matthäuskirche

Historie:

Das Betontragwerk des ca. 51 m hohen Glockenturms der St. Matthäuskirche wurde 1999 instand gesetzt. Für die Instandsetzung des Betontragwerkes wurden im Wesentlichen die Instandsetzungsprinzipien R, C und W nach der Instandsetzungsrichtline angewendet. Die Brettsichtstruktur der denkmalgeschützten Sichtbetonschale wurde hierbei durch Auftrag einer ca. 15 bis 35 mm starken Mörtelschicht, aus einem PCC-Reparaturmörtel (Betonspachtel), auf die torkretierte Betonunterlage hergestellt; in den frisch aufgetragenen Mörtel wurden Kautschukmatrizen mit Brettsichtstruktur eingedrückt und als Schalhaut bis zur Aushärtung belassen. Zusätzlich wurde die Oberfläche mit einer hydrophobierenden Imprägnierung (Produkt: Imprägniercreme Remmers Funcosil IC) auf Silan-Basis in 2 Arbeitsgängen behandelt.

Sechs Jahre nach Abschluss der Maßnahme, wurde am 12.09.2006 eine Turmbefahrung zur Überprüfung/Inspektion der Betonflächen durchgeführt. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass sich die Betonflächen - mit Ausnahme der nördlichen Turmseite - in einem guten Zustand befanden. Beim Abklopfen der Betonflächen konnten nach dem Klangbild zu urteilen keine Hohllagen festgestellt werden. Die Oberflächen zeigten lediglich partiell Risse mit Rissbreiten im Bereich bis ca. 0,1 mm. Die nördliche Seite des Turmes, die dauerhaft erheblich stärker der Bewitterung ausgesetzt ist, zeigte partiell Rissbreiten > 0,1 < 0,2 mm.
Bei der darauf folgenden Überprüfung, im Jahre 2007, wurden an den Süd,- West- und Ostfassaden, bereits Rissbreiten bis maximal 0,2 mm festgestellt. Beim Abklopfen der Fassaden konnten keine Hohllagen oder hohlklingenden Stellen festgestellt werden. Sämtliche Betonoberflächen wurden in 2007 nochmals mit einer hydrophobierenden Imprägnierung nachbehandelt.

Bei der letzten Nachuntersuchung vom 20.04.2011, bei der die Betonbauteile der Süd,- West- und Ostfassaden am Glockenturm erneut mit einer Hubbühne befahren wurden, wurden beim Abklopfen zum Teil großflächige Hohllagen festgestellt. Vorwiegend an den Kanten der Lisenen wurden durchgehende, bereits wasserführende Risse, mit zum Teil kritischen Breiten zwischen 0,4 und 0,6 mm festgestellt. Vereinzelte Risse zeigten Rissbreiten bis zu 1,0 mm mit Kantenabplatzungen. Die übrigen Flächen zeigten die bereits in 2007 vorzufindenden Rissbilder. Die Schadensbilder konnten an allen untersuchten Fassaden festgestellt werden, wobei die Schäden an der Süd- und Westfassade im Bereich zwischen 26 bis 45 hm am deutlichsten hervortraten. An der Ostfassade waren die Schäden deutlich geringer. Die Nordseite konnte aufgrund der ungünstigen Lage und des Baumbestandes nicht befahren werden.

Aufgrund der Erkenntnisse wurden im Jahr 2011 Instandsetzungsversuche durchgeführt, die im Gutachten P045 vom 31.10.2011 dokumentiert wurden. Nach Auswertung der Ergebnisse konnte festgestellt werden, dass sich die Mörtelschicht, ca. 11 Jahre nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten, großflächig vom Untergrund ablöst und sich Risse in der Schale bilden, deren Rissbreiten > 0,2 bis 1,0 mm kontinuierlich zunehmen. Die im Rahmen der Versuche erwartete Verklebung der sich lösenden Mörtelschale, mit niedrigviskosem Epoxidharz, konnte weder drucklos (bei den Versuchen vom 14./15.09.2011) noch unter Druck (bei den Verpressversuchen am 11.10.2011) erreicht werden. Die Versuche zeigten jedoch, dass sich über, mit Harz befüllte Bohrkanäle, eine Verdübelung der Mörtelschale im tragfähigen Untergrund erreichen lässt wodurch die Schale rückwärtig verankert werden kann.

Instandsetzungstechnologie:

Im Zuge der weiteren Grundlagenermittlung und Planung der Instandsetzung erfolgte ein Technologiewechsel. Im Rahmen der statischen Nachweisführung erwies sich die Verankerung im System HILTI HIT HY 200 als zielführende Ausführungsvariante. Dabei wird die bis zu ca. 4 cm starke, bereichsweise hohl liegende Außenschale durch eingeklebte Edelstahlanker (d=10mm) mit dem Kernbeton im definierten Raster, 25 x 25 cm, verbunden. Die Ausführung erfolgt in Anlehnung an die vorhandene Zulassung auf der Grundlage der objektspezifischen Tragwerksplanung und Prüfstatik. Die Bohrkanäle werden mit einem farblich angepassten PCC-Mörtel verschlossen. Flankierend erfolgt die lokale Schadstellenreparatur und die Sanierung der konstruktiven Entwässerung.

Der Oberflächenschutz wird durch Applikation einer quarzgefüllten Schlämmlasur zum Füllen feiner Risse und einer zweilagigen, lasierend eingestellten Beschichtung aus Reinacrylatdispersion erreicht. Das System ist als CO2-bremsende, hoch wasserabweisende Beschichtung in der Betoninstandsetzung zugelassen. Die Arbeiten werden fortlaufend kartiert und dokumentiert.

Wartungsplan:

Ab 2015 erfolgen Inspektions- und Wartungsbefahrungen mittels Hubbühnen in folgenden Abständen:
- Herbst 2015
- Herbst 2017
- Die Festlegung der Zeitabstände für weiteren Befahrungen erfolgen ergebnisabhängig.

Die Feststellungen werden in den vorhandenen Kartierungsplänen fortgeschrieben. Die anfallenden Wartungsarbeiten werden ergebnisabhängig vom sachkundigen Planer geplant bzw. am Objekt festgelegt.

Auftraggeber Evang.-Luth. Dekanatsbezirk München
Kirchengemeindeamt - Bauabteilung
Landwehrstrasse 11
80336 München
Beauftragte Leistungen Bauzustandsanalyse und Gutachten, § 42 HOAI, Ingenieurbauwerke,
Besondere Leistungen - Bauzustandsanalyse
- Instandsetzungsversuche
- Planung der Instandsetzung
- Instandsetzung nach Rili-Sib, DAfStb
Planung Rainer Thieltges
Zeitraum 2011 - 2013

Objektbeispiel_2_Sichtbetonfassaden_Glockenturm__Thieltges__St._Matthaeus.pdf